„Es gibt nicht nur gut und schlecht, sondern auch Zwischentöne ...“

Datum: 31. Mai 2008 - Zeit: 15:13 - Alter: 2 Jahre

29. Mai 08, Ausgabe 22 | WALDKIRCH Elztäler Wochenbericht

Interview mit Ursula Querfurth

Waldkirch (zg). Ursula Querfurth ist in Waldkirch nicht nur als Gemeinderätin und stellvertretende Bürgermeisterin bekannt, sondern auch als Kinderbuchautorin. Bis jetzt hat sie vier Kinderbücher geschrieben. Ihr aktuelles Projekt ist ein Musical, das Schüler und der Chor der Kastelbergschule unter Leitung von Eva-Maria Schätzle einstudieren, außerdem wirken der Zirkus Pagazzi und die Waldkircher Kläpperlekinder mit. Über ihr Engagement für und mit Kindern unterhielt sich Gabriele Zahn mit Ursula Querfurth.

Wann haben Sie mit dem Schreiben von Büchern/Kinderbüchern angefangen?

Das war 1995: Kaiser König Kopfsalat. Es war die letzte Illustration von Waltraut Sick. Das Buch ist neu aufgelegt und im Elztalmuseum erhältlich.

 

Ihr Enkel hat Sie auf die Idee gebracht, über Ritter und Burgfräuleinzu schreiben?

Mein Enkel ging mit mir auf die Kastelburg und hat so viele Fragen gestellt, die ich nicht beantworten konnte. Thomas und Barbara Kern haben mir dann weitergeholfen und viele Literaturhinweise gegeben. Beim zweiten Spaziergang auf die Burg sind wir einem Motorradfahrer begegnet. Mein Enkel ist zu ihm hin und hat gefragt: „Bist Du der Ritter von der Kastelburg?“ „Nein, ich bin Motorradfahrer.“ „Aber Du hast doch einen Helm auf!“ Dann: „Warum wohnen keine Ritter mehr auf der Kastelburg?“ Wir sind in den Turm und ich habe ihn gefragt: „Wolltest Du als Ritter in so einem dunklen Turm wohnen, ohne Heizung, fließend Wasser und Fernsehen?“ Nee, wollte er nicht, aber er fände es toll, mehr zu wissen. Der Weg auf die Burg ist lang. Uns kam die Idee, Ritterfiguren aufzustellen und mit kindgerechten Informationen zu den Rittern zu versehen.

 

Das zweite Kinderbuch war „Butzimummel“. Was inspirierte Sie dazu?

Meine Großmutter hat immer Gute-Nacht-Geschichten erzählt und meine Mutter wiederum uns. Dann habe ich einmal auf meine Frage, an welche Geschichten man sich noch erinnert, zur Antwort bekommen: „Es hat immer geheißen, wenn ihr net brav sin, kummt de Butzimummel.“ Das Wort „Butzimummel“ hat mir so gut gefallen, dass ich recherchiert habe. „Butzimummel“ gibt es im Markgräfler-Land als Fasnetfigur. Die sehen aus wie Vogelscheuchen. Im Hotzenwald war das eine Nachtkrab, ein Kinderangstmacher. Aber ich wollte nicht über einen Kinderschreck schreiben, sondern über etwas Schönes. Auf einem Campingplatz in der Toskana habe ich dann viele Familien beobachtet und die Urlaubsstreitigkeiten, die sich ergeben, wenn Kinder und Erwachsene unterschiedliche Interessen haben, und mir Notizen gemacht. Dort habe ich auch Ferrero getroffen. Den gibt es wirklich. Er hat mir viele Geschichten von toskanischen Puppenspielern erzählt. Und dann habe ich Paul aus Worthing kennengelernt. Er hat so einen Anzug wie Ferrero auf dem Kinderbuch, damit tritt er als Clown bei Kindergeburtstagen auf und in jeder Tasche seines Tausend-Taschenanzugs hält er für Kinder Überraschungen bereit. Beide Figu-ren habe ich vermischt und habe auch ein bisschen autobiografisches mit rein gebracht, das war das erste Buch. Ich hab' Kinder gefragt, was sie beim Namen Butzimummel empfinden, da kam einhellig die Meinung: „Das ist etwas Kuscheliges, etwas Liebes“. Den Namen Butzimummel habe ich schützen lassen.

 

Bei der Entstehung der Kinderbücher spielen Kinder eine große Rolle. Viele Illustrationen sind von Kindern gemalt. Sie haben mit Kindern gekocht und lassen Kinder Rittergeschichten erfinden.Wie kam es zu der Idee, die Kinder so in die Entstehung eines Buches mit einzubeziehen?

Das erste Buch hat Waltraut Sick illustriert, das zweite Eva-Maria Schätzle. Erst beim dritten Kinderbuch waren Kinder beteiligt. Ich habe schon immer mit Schulen und Kindergärten zusammengearbeitet und finde Kinder einfach faszinierend, da bleibt es nicht aus, dass man Kinder mit wachem Auge beobachtet.

 

Das neueste Projekt entstand aus einer Geschichte aus „Butzimummel und Meister Etgeton“. Drachen und Orgeln spielen eine große Rolle. Wie kam es zu dieser Geschichte?

Ja, diese Geschichte hat mir eigentlich meine Schwiegertochter geschenkt, und sie ist ein bisschen autobiografisch. Meine Söhne sind nicht gerade begeistert, bei jeder Geburtstagsfeier Drehorgelmusik zu hören. Aber meine Enkel finden die Drehorgelmusik wieder faszinierend. Bei der Geschichte sucht ein Drachen-Papa für seine Tochter ein Geschenk. Er bekommt ein Geschenk, das sogar von Menschen erschaffen wurde, und nimmt dieses mit nach Hause in seine Drachenfamilie. Die Drachenfamilie ist begeistert, dass sie plötzlich Musik hat. Die Drachen singen und tanzen und haben Freude an schöner Musik. Das ist die eine Seite und die andere Seite ist eben, dass der zweite Teil der Dra-chenfamilie das absolut hasst, und alles, was von Menschenhand erschaffen wird, unmöglich findet, weil sie Angst haben, dass Drachen „vermenschlichen“. Diesen Konflikt aufzuarbeiten war der Sinn. Eigentlich sollten am Schluss die Drachen die Kinder zu einem Märchenwettbewerb einladen. Die Geschichten, die bei einem Märchen-Workshop entstanden, habe ich noch. Dies soll ein Buch geben, ein modernes Märchenbuch, das Kinder erfunden haben, Märchen mit total pfiffigen Ideen. Die Kinder warten schon auf das Buch.

 

Was passiert im Musical „Drachenrap und Orgelklang“?

Es ist ein Aufeinanderprallen zweier Welten, einmal die Menschen mit den Drachen und einmal die Drachen unter sich. Es ist die Angst vor Menschenwerk, was Menschen Tieren oder der Natur antun. Es geht um das Tolerieren von unterschiedlichem Geschmack, von Unterschiedlich-Sein, um Dulden und Anerkennen. Was der andere tut und mir nicht gefällt, muss nicht unbedingt schlecht sein. Dass man sich zuhört und dass man sich mit etwas auseinandersetzt. Es gibt nicht Gut und Schlecht, sondern auch Zwischentöne und ich kann mit dem anderen auskommen und ihn gewähren lassen. Das ist der Hintergrund, Historisches und Traditionelles mit Modernem zu verbinden.

 

Es gibt auch einen Waldkirch-Song?

Ich habe festgestellt, dass es kein richtiges Waldkirch-Lied gibt, um zu zeigen, hier lebe ich gern. Das war der Grund, ein Waldkirch-Lied zuentwickeln. Die Drachen kommen jetzt auf die Schwarzenburg, sie haben Kontakt mit Waldkirchern durch den Orgelbau, durch die Musikschule, durch die Kläpperlekinder, durch Kinder überhaupt. Die Drachen lieben diese Stadt. Das Lied soll die Freude ausdrücken, dass es hier toll ist, zu leben. Wie sich jetzt schon zeigt, ist es für viele Vereine interessant, zur Melodie einen eigenen Text zu machen. Das wäre klasse, wenn das so Wirklichkeit würde, wenn das Lied zum Gassenhauer wird.

 

Wird das Skript nach der Uraufführungam Orgelfest veröffentlicht?

Ich hoffe, dass das noch klappt,zumindest das Drehbuch sollte veröffentlicht werden. Das hat mir Wolfgang Brommer versprochen. Damit andere Einrichtungen wie Kindergärten und Schulen das Musical nachspielen können. Wolfgang Brommer will sogar über den Noten Gitarrengriffe angeben, damit auch die, die keine Drehorgel haben, die Melodien mit Flöte oder mit anderen Instrumenten spielen können.

 

Zu dem Musical wird es doch sicher ein Buch geben. Wann wird das veröffentlicht?

Gute Frage. Wenn die finanziellen Mittel da sind. Es gibt auch die Möglichkeit der „Just-in-time-Bücher“. Für das Manuskript mit den Liedtexten hätten wir einen Sponsor. Aber das ganze Buch, was ich eigentlich wollte, mit allen Geschichten, das gesamte Skript ist viel viel länger als das Drehbuch. Ich denke, so etwa zwei Jahre werden sicher noch vergehen. Wobei die Geschichte mit den Märchen, die die Kinder erfunden haben und die am Drachenfeuer erzählt werden sollten, diese Geschichten sollen veröffentlicht werden. Wieder mit den Zeichnungen der Kinder. Das wird sicher schneller gehen.

 

Die Märchen sind bei den Vorbereitungendes Musicals entstanden?

Ja. Nur sind sie jetzt nicht ins Musical eingeflossen, sonst hätten wir zu viele Höhepunkte gehabt. Es gibt ein paar Highlights, die man noch nicht verraten kann.

 

Neben ihrem Beruf engagieren Sie sich für Kinder. Sie sind seit vielen Jahren im Gemeinderat und 2. stellvertretende Bürgermeisterin. Sie sind ganz wesentlich am Gelingen der Städtepartnerschaft mit Worthing beteiligt und haben sich im vergangenen Jahr für die Gründung des Partnerschaftsvereins Elztal-Simonswald-Worthing eingesetzt, waren die Initiatorin. Außerdem haben Sie eine Zeit lang im Vorstand der AWO gearbeitet. Ein großes Engagement. Wo engagieren Sie sich sonst noch?

Ich hab mal gezählt, in wie viel Vereinen ich aktives oder passives Mitglied bin. Das sind mittlerweile 20. Sonst bin ich eigentlich noch ein Familienmensch, dann mache ich gerne Sport, lese viel und höre Musik. Das ist der ganz private Teil. Ich habe noch einen Partner und eine große Familie.

 

Sie haben zusammen mit Senioren das Kochbuch „Neig'schmeckt“ entwickelt.

Das möchte ich gerne fortsetzen, weil die Nachfrage so groß ist, dass man wieder Gourmet-Touren anbietet. Durch die Orgelköche habe ich wieder festgestellt, dass es viele gute Restaurants gibt im Elztal, Simonswäldertal und Prechtal. Wir haben längst noch nicht alle besucht. Das braucht eine gute Vorbereitung. Wir wollen regional, saisonal und frisch zubereitet essen, wir wollen zum guten Preis ein gutes Essen bekommen, wir wollen nicht billig essen, sondern es soll eine gute Relation zwischen Preis und Leistung sein. Es sollen wieder etwa 20 Restaurants besucht werden, verteilt auf 2 Jahre. Die Gourmet-Touren können später nach Freiamt und ins Glottertal ausgedehnt werden.

 

Was für ein Projekt planen Sie nach dem Musical?

Das mit den Senioren. Am liebsten hätte ich hauptberuflich mit Kindern gearbeitet. Ich würde gerne mit der Kastelbergschule ein Projekt machen oder auch mit der Schwarzenbergschule, vielleicht eins mit Märchen, dass Kinder mit ihrer Sprache Geschichten erfinden. Es lauern überall interessante Aufgaben. Dann bietet das Zweitälerland Familienausflüge an, da mache ich die Führungen auf die Burg, das ist auch noch ein Hobby.

 

Informationen

Die Uraufführung des Musicals „Drachenrap und Orgelklang“ von Ursula Querfurth und Eva-Maria Schätzle ist am Samstag, 14. Juni, um 16 Uhr im Foyer der Kastelbergschule, eine zweite Aufführung am Sonntag, 15. Juni, um 16 Uhr. Am Musical sind Schüler der Kastelbergschule beteiligt sowie der Zirkus Pagazzi des Sportvereins Waldkirch und die Waldkircher Kläpperlekinder, des weiteren die Drehorgelfreunde Waldkirch und Organist Stefan Ronkov.

 

Diesen Artikel als PDF-Download finden Sie hier!


Links:

Ähnliche Einträge:
 Butzimummel goes Broadway - 20-05-08 15:40

Impressum
Rechtl. Hinweise
Versandkosten
Suchen
Sitemap
Seite empfehlen
© copyright 2006-2010 Q-Quadrat Verlag Rainer Querfurth - all rights reserved! - www.q-quadrat.info